Rosinenregen
©Albert Rindfleisch

Träumerisch trampte mein Zinkfinger Richtung Süden, himmelwärts. 
Nachsinnend, welchen Gebrechens ich mich schuldig gemacht hatte, 
folgte ich ihm in die Dunkelheit hinein. Bei Tagesanbruch 
blinzelt die glücklich tanzende Anmut des klaren Lichtes aus 
ihrem Versteck heraus. Hier: Tentakelschimmer: take ten!
Berauschend einfach kann alles sein, so mühelos, so leicht, 
unvergleichlich schwitzig und arrogant. Witzig und Surrogat. Der 
Beginn ist immergleich, doch jetzt ist ausgerufener 
Ausnahmezustand.
Jetzt ist früher Nachmittag und ich kann Dich nicht leiden; 
leiden kann ich euch alle nicht, weil ich unter euch leide. Euer 
schmutziges Grinsen, die hämisch verzerrten Allerweltsvisagen! 
Mensch und All umkreisen sich mit Dolchen bewaffnet in einem 
Müllcontainer. Geht weg!
Der Nachmittag, von dem ich spreche, ist eine Korktapete, die 
locker an den Wänden eines tief verborgenen Raumes haftet. 
Reißzwecken halten darauf allerlei Kleinigkeiten fest: die 
Wolken, die den Tag verschönern, die Blätter der Ahornbäume, die 
verlorenen Socken, ausgelöschte Kerzenhalter, Hautfetzen von 
Fußpilz, die schönen Gerüche der schönen Menschen und euch, 
verlogene Bastarde.
Ich tue nichts, was nicht auch jeder andere tun könnte und kann 
nicht anders, als meinen Zustand kristallisieren, damit ein 
Salzfaß füllen.
Wer baut die Schulbank, auf der ich bequem sitzen kann, wer baut 
den Tropf, dem sich meine Venen entgegenstrecken, wer baut mir 
ein Ziel, auf das ich mit kotigen Handgranaten werfen kann. Wo 
ist er, der große Baumeister? Wo ist der Verantwortliche für 
meine Geselligkeit.

Ich bin Schlund.
Mutterherz ist Schlund.
Segelyachten sind Schlund, insbesondere Katamarane.
Du bist Schlund.
Hier und jetzt ist Schlund.
Mann Schlund - Frau Schlund
Schlundmann Schlundfrau

Aus übersättigt fetten Augen, Ohren, Mündern starrt ihr mir 
entgegen. Was habe ich damit zu tun? 
Schlundum, das Faß also, mit jodiertem Speisesalz, es havariert 
auf einem Kinderspielplatz. Erschrockene Eltern pissen auf ihre 
Kinder - was hilfts - ich muß aus mir heraus. Verschlossene 
Münder, zugenäht.
Grüne Tragetaschen ragen majestätisch aus Vogelzwitschern, kühler 
Tau birgt neue Früchte. Da haben wir sie schon, schöne 
Bescherung, die Hube traben die Hubbrücke von hüben nach drüben 
und dort, am Ziel, liegen sie alle auf einem Haufen: kotige 
Handgranaten. Ich weigere mich!

Ich weigere mich, mit Dir zu sprechen.
Dir die Hand zu geben.
Rücksichtsvoll zu Dir zu sein.
Dir auf Deine dummen Witze mit Lachen zu antworten.
Freundlich zu Dir zu sein.
Ich weigere Dich, Du zu mir zu sagen.
Friß Deine Himbeerkonfitüre allein!

Du und Deine konkreten Dachantennen; ich möchte dort hausen, wo 
die Sanduhr ihre Mitte hat. Als Kontrolleur am Nadelöhr.
Konvulsivische Schattenkonzerte bereiten dem frühen Nachmittag 
ein spätes und jähes Ende. Aus freien Stücken springt die Tür aus 
der Angel, über die Schwelle treten vorsichtig verheiratete 
Menstruationsgezeiten. Wie oft schon habe ich den Mädchen das 
Blut von den Lippen geleckt, zu Klumpen geronnen.
Trennung vom Leitmotiv. Die Rhön ist schön.

Von Schleswig-Holstein bis an die Pfalz
Brumm Brumm Brumm fahr ich herum
Auf meinem jodierten Speisesalz

Bigottes Bikarbonat! Verflixt & zugenäht, Mund. Ich weigere mich, 
Dir auf Dein Dummes Lachen mit Witzen zu antworten. Die neuen 
Früchte fallen faulig herab von vergilbten Zweigen. Lichterloh 
entflammen wild Kartoffelfeuer, die sich mit dröhnendem 
Kriegsgeheul auf den dickichten Regenwald der Erwartungen 
ausdehnen.

Fluchend stürzen Pygmäenstämme flüchtend aus dem Holz, rennen dem 
äquatorialen Regenbogen entgegen, der langsam hinter der Sonne in 
den Horizont abtaucht. In ihrem Nacken fühlen sie den 
gelangweilten Atem ihrer Phantasie; sie wachsen während sie 
laufen und ihre Tage werden gezählter. Noch wenn Regenbogen 
längst versunken und die peinigende Last tot von den Schultern 
baumelt, kreisen rasend ihre Stummelbeine, ohne Vor und ohne 
Hinter.
Fünfundsiebzig Coulomb erstrecken sich auf ein Stahlbetonplateau, 
dessen Vestibül dem weißen Mann den Zutritt verwehrt, die 
Permeabilität ist zu vernachlässigen im Geknister der 
Oberflächenspannung, der nackte Gonokokkus surft auf seinem 
elektrischen Levitationsboard dem Athmosphärenrauschen davon.
Die dunkle Ostsee faßt wie ein Ring eine Nußschale ein, in der 
der junge Mann begraben liegt, dem ich meinen Kopf in den Schoß 
legen möchte.


Good bye, Göteborg good bye, eiei good bye.
Good bye, Gotha good bye, eiei good bye.
Good, good bye!

Eiei! Was gibt es da zu glotzen, ihr debilen Arsch-Votzen. Ich 
behaupte: was macht es für einen Unterschied, ob die Erde rund 
ist oder eine Scheibe, ob Oktaeder oder Quader oder Hypercubus, 
ob Du Hirn hast oder nicht: keinen!

Fürderhin sei Du mein Gänseklein.
Alsdann richte mich scharf mit Deiner Guillotine.
Bisweilen nimm mein Glied in die Hand und stecks in Brand.

Monsieur le Gonokokkus fällt vom Levitationsboard und findet sich 
in einem belebten Caf‚ wieder, dessen Bedienung gewisse 
anatomische Ähnlichkeiten mit dem aufweist, was man allgemein als 
Zuckerwatte bezeichnet. Die Gespräche der Leute am Nachbartisch 
interessieren ihn nicht. Er hört ihre erregten Stimmen 
schwadronieren, fängt Thematiken mit seinem Schmetterlingsnetz 
ein -  zack! werden die Worte auf Nadeln gespickt, klassifiziert 
und eingemottet.
Bald wird es keine Therapeuten mehr geben für euch, denn es 
werden Innenarchitekten die Gesamtkonzeption für eure Köpfe 
erstellen.

Dann will ich schlafen
Am Polder am Hafen
Lauschen will ich der Möwen Lachen
Träumend, ohne Erwachen

Wenn die Schiffe an mir vorüberziehn
Dann will ich das nicht sehn
Wenn Papas und Mamas ihrem Dasein fliehn
Allerhöchstens, wenn sie untergehn

Weltuntergang oder Welteinschlaf, bitte ankreuzen und einen 
schönen Tag noch.
Ich schreibe mein Geschwafel mit Schiefer auf eine Kreidetafel; 
Wort für Wort opfere ich meinem Spleen, während noch die Schiffe 
an mir vorüberziehn. Zotige Dralonmagnaten prahlen mit 
Dragonertaten und ich reihe gebrochene Herzen auf eine 
Perlenschnur. Ein Scheppern im Sandsturm ist kaum zu hören und 
doch läßt er die Herzen der Oasen beben.
Du bist sechzig Prozent absolut und virulent. Mit Seitenblick auf 
Deine Hand, in der mein Glied verbrennt.
Der späte Nachmittag leidet im retardierenden Moment. Die Theorie 
des Abenteurers ist leicht erklärt. Willst Du ein wirklich wahres 
wundervolles Abenteuer, wähle von allen Möglichkeiten die 
Unvernünftigste und bleib dabei, die Qualität eines Abenteuers 
ist eine unbekannte Größe, Abenteuer sind weder schlecht noch 
gut, Abenteuer haben einzig und allein eins zu sein: 
abenteuerlich. Der wahre, gute Abenteurer kennt kein Verzagen, 
kein Unbehagen, er lebt in und aus der Unvernunft. Ungeachtet der 
Sinnkrise abendländischer Kulturgeschichte, die just in diesem 
Augenblick ihren Höhepunkt erlebt, hält sich der Abenteurer 
vornehmlich in Krisengebieten auf.
Ich pflege sie nicht, die dekadente Gepflogenheit des modernen 
Menschen in der Welt-Geschichte herumzureisen; ich besänftige 
mein latentes Fernweh durch manchmal stundenlanges UBahnfahren.
Hat es den Anschein, als bewegte ich meine Lippen? So müßt ihr 
wieder irren in eurer unvergleichlichen Ignoranz. Tatsächlich bin 
ich zurückgelehnt und vertreibe mir die Zeit damit, eurem 
Schweigen zu lauschen. Ich bin die konkreteste Dachantenne, die 
man sich vorstellen kann.
Herr Gonokokkus gibt Frau Gonorrhöe einen Kuß aufs schlabbrige 
Maul. Die beiden heiraten und bekommen Kinder die nichts weiter 
sind als das gemeinsame Miteinander und ab!
Kotige Kartoffelgranaten prallen gegen Kupferspaten und mich 
schmerzen die Oasenherzen.
O, ihr Hasenherzen, welche Launen stimmen euch melancholisch, 
welche Brezeln stimmen euch Geige, welche patentierten 
Schlüsselreize stimmen euch Reißverschluß. Die Wecker des ganzen 
Hauses werden geschüttelt von multiplen Hysterieanfällen, wo sind 
die versteckten Pfade zu euren angenehmen Ellenbögen. Die Tiere 
lecken sich zur Begrüßung hingebungsvoll ihre Genitalien - warum 
nicht auch wir? Der späte Nachmittag hat schon im frühen 
Mittelalter Freundschaft mit dem Abend geschlossen.
Namenloses Gebrechen, forkenloses Arztbesteck, fuhrwerkendes 
Drehorgelungetüm, gedeihende Neunmillimeterschraubendreher, 
nutzloser Tumorauswurf, olfaktorisierter Bahnfahrplan, 
paradigmatischer Kegelausmerzer, phlegmatisches Lachfestival, 
summasummierende Plusterbacke, vertracktes 
Einmalfünfkommadreizwanzig, eiswürfelnde Skatrunde, patriarchaler 
Marzipanzipfel, hautfältiges Frauenbein, flanierende Bahnhofsuhr.

Flaff pataaa patapatapum
Fluff flaff patapata pim
Lafelafela - tap tap palim
Palimlim plom pom
Palim plim pim
Palim palim!