zurück filiale : sortiment zurück

filiale
zeitgenössische kunst gender vermittlung

filiale : materialien zur hochschulreform

auf dieser seite finden sich materialien und informationen zur hochschulreform dokumentiert, die direkt oder indirekt über mitglieder an die mailingliste der filiale zeitgenössische kunst gender vermittlung weitergeleitet bzw. ebendort zur diskussion gestellt worden sind.
in diesem sinne dient auch ihre veröffentlichung an dieser stelle der information über aktuelle positionen und standpunkte zur hochschulreform. die einzelnen papiere geben jedoch lediglich die standpunkte der jeweils verantwortlich zeichnenden autorInnen und initiativen wieder.


- Resolution von WissenschaftlerInnen zur Reform des Hochschuldienstrechts (09/2000) - Aufruf zur Unterstützung der Resolution der Initiative "Wissenschaftlicher Nachwuchs" (01/2001) - Positionspapier der Initiative "Die Junge Akademie" (04/2001) -


Resolution von WissenschaftlerInnen zur Reform des Hochschuldienstrechts (September 2000)

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
derzeit werden Vorbereitungen für eine grundlegende Reform des Hochschuldienstrechts eingeleitet. Wir halten die inzwischen vorliegenden Vorschläge der von der Bundesministerin Edelgard Buhlman eingesetzten Expertenkommission für unzureichend und kritikwürdig.
Wir haben einen offenen Brief an die Ministerin u.a. formuliert, in dem wir zentrale Kritikpunkte und Forderungen zusammenfassen. Das Schreiben werden wir in den kommenden Wochen bundesweit an WissenschaftlerInnen zur Unterschriftensammlung verschicken.
Wir möchten Sie fragen, ob Sie bereit wären, den Brief zu unterschreiben und diese mail an Ihre KollegInnen zur Unterschrift weiterzuleiten.
Mit besten Grüßen
Dr. Teresa Kulawik
Dr. Sabine Lang
Dr. Birgit Sauer

Resolution von WissenschaftlerInnen zur Reform des Hochschuldienstrechts
An die Bundesministerin für Wissenschaft, Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn
An die WissenschaftsministerInnen der Bundesländer
An den Wissenschaftsrat
An die Hochschulrektorenkonferenz

Wir, die unterzeichnenden WissenschaftlerInnen, halten die Vorschläge der von der Bundesministerin eingesetzten Expertenkommission zur Reform des Hochschuldienstrechts in mehrfacher Hinsicht für unzureichend und diskriminierend. Zwar ist jede Initiative zu begrüßen, die die Eigenständigkeit von NachwuchswissenschaftlerInnen während ihrer Qualifikationszeit befördert. Gleichwohl enthalten die im Gutachten gesetzten Rahmenbedingungen neuerliche Exklusionen, und sie benachteiligen insbesondere Frauen:

1. Altersgrenzen
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, daß sowohl direkte wie auch indirekte Altersgrenzen sich zu Lasten der Chancen von Frauen auf Arbeitsmärkten auswirken. Dies ist auch im akademischen Bereich nicht anders. Der Wissenschaftsrat hat dies in seinen Empfehlungen zur Chancengleichheit von Frauen in Wissenschaft und Forschung 1998 bestätigt. Die im Reformgutachten vorgeschlagenen Altersgrenzen (Studienabschluß mit 24 - 26 Jahren; Promotionsabschluß mit 27 - 29 Jahren, Ende der Juniorprofessur mit 35 - 37 Jahren) verlangen von den NachwuchswissenschaftlerInnen ein 150prozentiges Engagement und ein voll unterstützendes akademisches wie privates Umfeld. Frauen können beides nicht im gleichen Maße vorweisen wie Männer. Wir fordern deshalb die Abschaffung von Altersgrenzen im Hochschuldienstrecht.

2. Akademischer Werdegang
Durch die Einführung enger Altersgrenzen werden berufsspezifische 'Umwege' in die Wissenschaft verstellt. Die soziologische Berufsforschung hat längst nachgewiesen, daß die Qualifizierung für bestimmte Tätigkeiten nicht durch eindimensionales Verfolgen des Karriereziels erworben wird. Vielmehr wirken gerade berufspraktische Erfahrungen in Wirtschaft, Kultur, Politik sowie Auslandsaufenthalte befruchtend auf die akademische Lehre und Forschung. Die Expertenkommission schließt mit der Engführung akademischer Qualifikationverläufe solche 'Berufsumwege' faktisch aus. Wir fordern deshalb bei der Revision des Hochschuldienstrechts die stärkere Berücksichtigung von außeruniversitärer sowie ausländischer Berufserfahrung im Hinblick auf die Auswahl von HochschullehrerInnen.

3. Kindererziehungszeiten
Der Bericht der Expertenkommission nimmt auf die Geburt und Erziehung von Kindern, die für die Mehrzahl junger NachwuchswissenschaftlerInnen in die Zeitspanne der Qualifizierung (Promotion, Post-doc) und der Juniorprofessur fällt, keinerlei Bezug. Die Gutachter-Formulierung "Die Juniorprofessur soll ... in der Regel im Alter von 35 bis 37 Jahre enden" läßt zwar formalrechtlich eine Berufsunterbrechung infolge von Erziehungszeiten zu. Sie statuiert aber faktisch ein Leitmodell, dem die Mehrzahl der Frauen nicht wird entsprechen können. Schon jetzt zählt Deutschland in hochqualifizierten Beschäftigungen zu den Ländern mit dem geringsten Anteil von Frauen mit Kindern. Durch dieses Leitmodell wird die Tendenz zur erzwungenen Kinderlosigkeit bei Wissenschaftlerinnen weiter verschärft. Wir fordern deshalb eine explizite Formulierung in der Revision des Hochschuldienstrechts, die das Bewußtsein des Arbeitgebers für potentielle Berufsunterbrechungen beider Geschlechter in dieser Lebensphase kenntlich macht. Es dürfen aus einer erziehungsbedingten Unterbrechung keinerlei Nachteile in bezug auf Qualifikationsförderung und Berufung entstehen.

4. Junior Professur und Alternativwege
Wir begrüßen die Einführung der Juniorprofessur grundsätzlich, sehen aber in ihrer Ausgestaltung sowie in der Beibehaltung der alten Personalstruktur keine adäquate Öffnung des Berufsfelds. Zwar findet die Etablierung der Juniorprofessur in Anlehnung an ausländische Vorbilder statt. Die dort existierenden Optionen, auch unterhalb der Professorenebene dauerhafte und unabhängige Tätigkeiten in Forschung und Lehre auszuüben (z.B. als Lecturer und über Drittmittel) greift das Gutachten aber nicht auf. Die Juniorprofessur wird zudem mit Leistungsanforderungen überfrachtet, die international keineswegs üblich sind. In den USA setzt die Entfristung der Assistenzprofessur in Geistes- und Sozialwissenschaften eine Monographie und nicht zwei - wie im Gutachten vorgeschlagen - voraus. Die bisherigen Qualifizierungszeiten in Deutschland sind nicht deshalb so lang, weil die Nachwuchswissenschaftler zu wenig arbeiten, sondern weil sie mit zu vielen Pflichten überhäuft werden. Es steht zu befürchten, daß die Juniorprofessur ohne realistisch formulierte Leistungskriterien das Problem eines durchlässigen Karrierewegs nicht lösen, sondern - mit neuen Rechten und damit Pflichten ausgestattet - eher noch verschärfen wird. Ähnlich verhält es sich mit dem Vorschlag, Wissenschaftler mit alternativen Qualifizierungswegen zunächst nur mit einem Zeitvertrag, ohne jeden Anspruch auf Entfristung, einzustellen. Eine besondere Härte bedeutet dies für diejenigen WissenschaftlerInnen, die das bislang übliche Habilitationsverfahren abgeschlossen haben oder kurz davor stehen. Wir fordern deshalb die Formulierung international vergleichbarer Leistungsanforderungen für die Qualifizierungsphase zwischen Promotion und Lebenszeitprofessur sowie die weitere Diversifizierung des akademischen Arbeitsmarkts, z.B. durch die Einführung von Lectureships sowie der eigenständigen Drittmittelforschung für Promovierte. Zeitverträge bei Professorentätigkeiten - mit Ausnahme von Vertretungen - sollten die Möglichkeit der Entfristung nach Evaluation vorsehen.

UnterzeichnerInnen:
Dr. Teresa Kulawik, Freie Universität Berlin - Prof. Wolfgang Fach, Universität Leipzig - Dr. Sabine Lang, Freie Universität Berlin - Prof. Margit Mayer, Freie Universität Berlin - Prof. Wolf-Dieter Narr, Freie Universität Berlin - Prof. Hildegard-Maria Nickel, Humboldt Universität zu Berlin - Prof. Ilona Ostner, Universität Göttingen Prof. Roland Roth, Fachhochschule Magdeburg - Dr. Birgit Sauer, Universität Wien


Seitenanfang zurück filiale:sortiment zurück Seitenanfang

Aufruf zur Unterstützung der Resolution der Initiative "Wissenschaftlicher Nachwuchs" (Januar 2001)

Betreff: Juniorpofessor und die Folgen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Bundesregierung plant eine tiefgreifende Änderung des Hochschuldienstrechts noch vor Ende der laufenden Legislaturperiode (2002).
Darin ist die Verjüngung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch Einrichtung von "Juniorprofessuren" bei gleichzeitiger Abschaffung der Habilitation vorgesehen.
Aufgrund fehlender Übergangsregelungen droht die Generation der jetzt 35-45 jährigen HabilitandInnen und PrivatdozentInnen dabei jedoch der Universität verloren zu gehen. In der bisherigen Fassung schickt die geplante Reform den existierenden wissenschaftlichen Nachwuchs im Laufe der nächsten Jahre Schritt für Schritt auf die Straße.
Aus diesem Grund wendet sich der wissenschaftliche Nachwuchs in Deutschland mit einer Resolution an die Öffentlichkeit und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Wir rufen alle HabilitandInnen und PrivatdozentInnen auf, diese Resolution zu unterstützen!
Durch Betätigung des "Support-Buttons" auf der eigens für diesen Zweck eingerichteten Internetseite http://www.wissenschaftlichernachwuchs.de/ geben Sie Ihr Einverständnis dafür, daß Ihr Name auf der Liste erscheint, die zusammen mit der Resolution dem BMBF zugeleitet werden wird.
Auf der genannten Internetseite finden Sie zugleich weitere Informationen und interessante Links zur Hochschulreform. Für Rückfragen verwenden Sie bitte die folgende Email-Adresse: resolution@wissenschaftlichernachwuchs.de.

Mit freundlichen Grüßen
Antje Gimmler, Dirk Hartmann, Nikos Psarros und Mike Sandbothe


Seitenanfang zurück filiale:sortiment zurück Seitenanfang

Positionspapier der Initiative "Die Junge Akademie" (April 2001)

Die Junge Akademie
an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
und der
Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

Wissenschaftlicher Nachwuchs bezieht Position

Mit einem Positionspapier "Wie werde ich ProfessorIn?" nimmt Die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina Stellung zum Hochschulreformkonzept von Bildungsministerin Bulmahn. Die Thesen der Jungen Akademiker zu den Themen Juniorprofessur, Promotion sowie Karriere und Familie koennen ueber ein interaktives Diskussionsforum im Internet direkt kommentiert und ergaenzt werden ( siehe http://diejungeakademie.de).
Nach Auffassung der Nachwuchswissenschaftler uebersehen saemtliche Reformvorschlaege die Problematik der doppelten Karriereplanung bei Akademikerpartnerschaften ("coupled career") und der Vereinbarkeit von Hochschullaufbahn und Familie. In den meisten Faellen werde einer der Partner - in der Regel die Partnerin - gezwungen, die eigene wissenschaftliche Laufbahn zugunsten der Karriere des Partners abzubrechen. Die Junge Akademie fordert darum die Universitaeten auf, Ko-Karrieren durch geeignete Massnahmen zu unterstuetzen. Ausserdem fordert sie die Einrichtung von ganztaegigen Kinderbetreuungsstaetten an Universitaeten.
Die geplante Einfuehrung einer Juniorprofessur wird begruesst. Die Juniorprofessur ermoeglicht fruehzeitig die selbstaendige Forschungsarbeit von Nachwuchswissenschaftlern. Damit werden aus Sicht der Jungen Akademie Voraussetzungen geschaffen, das kreative Forschungspotenzial von Nachwuchswissenschaftlern effektiver zu nutzen. Das vorgeschlagene Modell solle jedoch nach dem Vorbild des amerikanischen "tenure-track"-Systems revidiert werden. Die Juniorprofessur muesse im Regelfall bei positiver Evaluation in eine unbefristete Professur uebergehen.
Zur Verkuerzung der Promotionsphase schlaegt das Positionspapier vor, Promovierende von selbstaen-digen Lehrverpflichtungen zu entlasten und strukturierte Graduiertenstudiengaenge einzufuehren. Verfasser des Positionspapiers ist die Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie. Die Junge Akademie wurde als Akademie des wissenschaftlichen Nachwuchses im Juni 2000 gegruendet. Ihre Aufgaben liegen in der Pflege des wissenschaftlichen, insbesondere interdisziplinaeren Diskurses auf Nachwuchsebene und in der Foerderung von Initiativen an den Schnittstellen von Wissenschaft und Gesellschaft.

Weitere Auskuenfte: Dr. Giovanni Galizia (Sprecher der AG Wissenschaftspolitik), Tel. 030/838-52058, e-mail: galizia@diejungeakademie.de, oder Dr. Elisabeth Hamacher (Koordinatorin der Jungen Akademie), Tel. 030/20370-655, e-mail: hamacher@diejungeakademie.de.
Weitere Informationen über:
Die Junge Akademie
an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
und der
Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina
Jaegerstrasse 22/23
D-10117 Berlin
Telefon +49 30 20 37 06 50 - Telefax + 49 30 20 37 06 80
Email: office@diejungeakademie.de
web: www.diejungeakademie.de


*) achtung: externe links öffnen in einem separaten browser-fenster!
für inhalte und links von externen seiten, die mittelbar oder unmittelbar über links auf den seiten der filiale zeitgenössische kunst zugänglich sind,
kann keine verantwortung übernommen werden.
ausführliche anmerkungen zu rechtsfragen finden sich im disclaimer, der in einem separaten browserfenster öffnet (nach gebrauch bitte wieder schliessen).


Seitenanfang zurück filiale : sortiment zurück Seitenanfang

webmistress ©vk 2000-2001
Last Update: 15. 04. 2001
webmistress